Ute Latendorf - Dichterin, Schriftstellerin und Fotografin
Ute Latendorf - Dichterin, Schriftstellerin und Fotografin
(c) Ute Latendorf

1. Wörlitzer Gartenreich

Ein schöner Park muss Bäume haben 

und Wiesen und Büsche,

einen See oder Teich

und viele verschlungene Wege

wie im Wörlitzer Gartenreich.

 

Es muss Überraschungen geben:

einen Tempel, eine kleine Skulptur,

Brücken und Marmorfiguren,

als Verbindung von Kunst und Natur.

 

Auch Tiere muss man dort finden:

Schwäne und Schafe und Pfaun.

Zwischen Inseln und Labyrinthen

gibt es Zauberhaftes zu schaun.

 

Dieser herrliche Garten, phantasievoll erdacht,

gehegt und gepflegt, zum Paradiese gemacht,

zwischen Bäumen und Hecken

will er Träume wecken...

 

2. Ich versuche ein guter Gärtner zu sein

Ich versuche ein guter Gärtner zu sein

und treu für die Blumen zu sorgen,

ich betrachte sie, lobe sie, finde sie schön

und begrüße sie jeden Morgen.

 

Ich nenn sie bei Namen, und sie antworten mir,

und ich weine, wenn sie verwelken,

in meinem Garten hat jede Platz,

Lupinen, Dahlien und Nelken.

 

Ich freu mich, ein guter Gärtner zu sein

in meinem eigenen Garten,

nur kann ich niemals auf Reisen gehn,

weil die Blumen ja auf mich warten.

 

3. Ich möchte in meinen Garten

Ich möchte in meinen Garten,

zu Blume und Hecke und Stein,

ich will nicht bei anderen Menschen,

sondern ganz bei mir selber sein.

 

Ich möchte die Sonne spüren

und Regen und Wind auf der Haut,

das wilde Leben der Menschen

ist mir zu grell und zu laut.

 

Ich höre die Stimmen der Wolken

und das Lied der Sterne bei Nacht,

und die kleine Primel im Garten

hat so leise und schelmisch gelacht.

 

Ich höre, was andere nicht hören,

ich weiß um den tieferen Sinn.

Es ist eine himmlische Gabe,

dass ich überempfindlich bin.

 

Ich möchte in meinem Garten

selbst eine Blume sein,

Tulpe, Narzisse, Lavendel

oder Moosröschen, duftend und fein.

 

4. Tränendes Herz

Du hast einen traurigen Namen,

du zartes Tränendes Herz,

mal blühst du weiß und mal rosa,

und immer trifft mich ein Schmerz,

 

wenn ich dich lange betrachte

und denke, du hast mal geliebt,

und jemand hat dich verlassen.

Ob es so was bei Blumen auch gibt?

 

5. Mohnblume

So leuchtend und rot blüht sonst keine,

nur die Rose tut es dir gleich,

doch du hast zum Glück keine Dornen,

du bist rot und leuchtend und - weich.

 

6. Phlox

Du duftest so zart und so lieblich

und bist auch so hübsch anzusehn,

ich wünschte, du könntest bleiben

und müsstest nicht bald wieder gehn.

 

Du duftest mit all denen Blüten,

am stärksten am Abend, bei Nacht,

wegen dir geh ich nachts in den Garten,

wenn keiner der Nachbarn mehr wacht.

 

7. Schwarzäugige Susanne

Du hast einen sehr schönen Namen

und hast auch ein schönes Gesicht,

du lächelst mir freundlich entgegen,

weckst Freude und Zuversicht.

 

Du kletterst am hölzernen Bogen

und rankst dich langsam empor,

mit ist fast, als hört ich dich singen

hinein in mein inneres Ohr.

 

8. Hibiskus

Deine Blüten sind mir die liebsten,

von dir hängen viele im Strauch,

ich mag dich gern fotografieren,

weil ich mich nicht bücken brauch.

 

Du blühst in mancherlei Farben,

in blau, lila, rosa und weiß,

und duftest so lieblich im Garten,

dass ich herzlich willkommen dich heiß.

 

9. Blumen in meinem Garten

In meinem kleinen Garten,

da blühn der Blumen viel,

sie sind wie meine Kinder,

ihr Leben ist ein Spiel.

 

Sie leuchten rot und rosa

und gelb und weiß und blau

und duften zart und lieblich

im ersten Morgentau.

 

Sie wachsen mir ans Herze,

ich hab sie zärtlich lieb

und nenne sie bei Namen,

die Blüte und den Trieb.

 

Doch wenn sie lange spielen

im Gras und auch im Beet,

dann werden sie so müde,

wie es auch Kindern geht.

 

Die Köpfchen sinken nieder,

sie werden schlapp und blass,

und ich, ich weine Tränen,

wenn ich sie gehen lass.

 

10. Abschied im Garten

Das Abschiednehmen im Garten,

dieses tägliche, stille Vergehn,

dann kann ich nicht länger ertragen,

das möchte ich niemals mehr sehn.

 

Noch gestern blühte die Dahlie,

beeindruckend kraftvoll und schön,

heut brauste ein Sturm durch dne Garten,

und die Blütenblätter verwehn.

 

Auch der Mohn stand leuchtend im Garten,

so prächtig wie niemals zuvor,

nichts ist von ihm übrig geblieben,

und ich weine, ich trauriger Tor.

 

Rosen, Begonien, Clematis,

Margariten, Vergissmeinnicht,

ich schaute sie an voller Freude,

sie brachten mir Farbe und Licht.

 

Hätt ich niemals ihr Blühen bewundert

und an Schönheit und Duft mich erfreut,

dann wär ich nicht traurig geworden

und nicht so verzweifelt heut.

 

Ich selber bin auch eine Blume,

ich blühte einst, lang ist es her,

ich kann mich schon kaum noch erinnern,

mein Stängel hängt kraftlos und schwer.

 

Wir alle sind Blumen im Garten,

wir kommen und blühen und gehn

und versuchen dies zu begreifen

und können es doch nicht verstehn.

 

11. Ich lern von den Blumen im Garten

Ich lern von den Blumen im Garten,

sie fürchten sich nicht vor dem Tod,

sie beugen sich unter ihr Schicksal

und fühlen sich niemals bedroht.

 

Sie freuen sich, solange sie leben

und blühen mit Leidenschaft

und gehen dann ohne Bedauern,

denn am Ende fehlt ihnen die Kraft.

 

So möchte auch ich gerne leben:

Getrost und voll Zuversicht

will ich nach Vollendung streben,

als Blume im göttlichen  Licht.

 

12. Der Herbstwind weht

Der Herbstwind weht durch unseren Garten,

ich fasse nicht, was er da tut.

Er reißt die Blüten von den Stängeln.

Weiß er denn nicht, wie weh das tut?

 

Ich selbst bin eine welke Blume

und spüre auch, er zerrt an mir.

Noch bin ich da, doch nicht mehr lange,

dann geh ich fort, ganz weit von hier.

 

Leb wohl, du Sommer dieses Jahres!

leb wohl, du Sommer meiner Zeit!

Ich danke euch für schöne Tage

und bin zum Abschied jetzt bereit.

 

Vielleicht darf ich ja wieder kommen,

vielleicht noch einmal wieder blühn

in irgendeinem schönen Garten,

als Farbfleck zwischen all dem Grün.

 

13. Mein Baum

Du schöner großer Eichenbaum,

ich sah dich fern am Waldessaum

im Sonnenlicht mir winken.

 

Ich stolperte durchs Unterholz,

du warst so hoch, du schienst so stolz,

ich ließ mich dir zu Füßen sinken.

 

Jetzt konnt ich dich genau besehn

und stellte fest: Du bist nicht schön,

dir fehlen viele Äste.

 

Zum Wald hin bist du völlig kahl.

Wie kommt das wohl? Ich rate mal:

Du suchst dir nur das Beste.

 

Du streckst dich ganz zur Sonne hin, 

nach Licht und Wärme steht dein Sinn.

Ich kanns dir nicht verdenken.

 

Du stehst, ich sitze neben dir,

vertraut schon, darum sag ich: Wir,

wir lassen uns beschenken.